NEUROPATHIEN
alkoholische, degenerative, metabolische
bzw. diabetische, infektiöse, ischämische und toxische
Neuropathien
Bei Neuropathien
liegen Nervenschädigungen vor. Im eigentlichen Sinne wird der Begriff
"Neuropathien" aber bei
degenerative
n (=.
funktionelle Abweichungen von der Norm im Sinne einer Funktionsminderung),
toxische
n (= durch Gift bedingt),
metabolische
n (=
stoffwechselbedingt) und
ischämische n
Der Vollständigkeit halber werden im Folgenden jedoch alle Krankheitsbilder
aufgeführt, die mit einem sog. neuropathischen Schmerz einhergehen.
Neuropathien bzw. neuropathische Schmerzen können verschiedene Ursachen haben:
Mechanisch schädigende Einwirkungen (Traumen) auf den Nerv
Metabolische (= stoffwechselbedingte) Störungen oder Schädigungen von efferenten (= vom Zentrum zur Oberfläche leitende) Ner ven (z.B. diabetische Neuropathien)
Nervenschädigung oder -störung infolge einer Virusinfektion (infektiöse Neuropathien)
Nervendurchtrennung z.B. im Rahmen von Amputationen
Zen trale (= das Rückenmark / Gehirn betreffende) Störungen oder Schädigungen
Nachstehend werden entsprechend der aufgeführten Ursachen typische Krankheiten beschrieben und Behandlungsmöglichkeiten der Neuropathien aufgezeigt.
ad1:
Eine häufig
unterschätzte Komplikation der schweren peripheren arteriellen
Verschlusskrankheit (pAVK) stellen ischämische Neuropathien dar. Bei
der klinischen Symptomatik treten motorische Defizite (=
Muskelschwäche) gegenüber Schmerzen und Sensibilitätsstörungen
zurück. Überwiegend handelt es sich um asymmetrische (=
ungleich verteilte), nur die Bei ne betreffende Manifestationstypen.
Alle Nervenfaserklassen sind betroffen. Neben ischämische n Neuropathien
findet sich häufig die Kombination mit diabetische n Neuropathien,
gekennzeichnet durch klinische und neurophysiologische Unterschiede. Die
Therapie ist symptomatisch (= gegen die Krankheitszeichen
gerichtet), und die Prognose (= Vorhersage über wahrscheinlichen Verlauf
und Ausgang einer Krankheit) wird entscheidend von dem zugrunde
liegenden Gefäßleiden, aber auch von dem erhöhten kardialen (=
das Herz betreffende) Risiko dieser Patienten bestimmt. (mod.
n. Deutsches Ärzteblatt 97, Ausgabe 42)
Diabetische
Mono - Neuropathien führen zu Ausfällen im
Bereich einzelner Hirnnerven (Augenmuskel-, Facialisparese (=
Lähmung des Gesichtsnervs, dadurch Lähmung der Gesichtsmuskeln)),
aber nicht infolge von
metabol
ischen
(= stoffwechselbedingten)
Störungen oder Schädigungen, wie zu vermuten wäre, sondern durch
Mikroinfarzierungen (= winzige, höhergradige
Durchblutungsstörungen).
Metabol
ische
(= stoffwechselbedingte)
Störungen oder Schädigungen liegen der diabetischen
Polyneuropathie (=
Neuropa thie mehrerer Ner ven)
zugrunde.
ad2:
Mechanische Schädigung:
Nach jeder Nervenverletzung kann es zu
einer Kausalgie, neuerdings auch als
CRPS
Typ II bezeichnet,
kommen.
Das Krankheitsbild ist charakterisiert durch qualvolle, glühend-brennen de Schmerzen der betroffenen
Gl iedmaße, auslösbar oder verstärkt
schon durch leiseste Ber ührung
(Allodynie)
((evtl. auch entfernter Körperstellen (Synästhesalg
ie)),
durch optische oder akustische Reize, Trockenheit (Xerosalg
ie), Wärme,
Affekte oder bloße Schmerzvorstellung (Sympsychalg
ie).
Meist bestehen
ferner Störungen der Durchblutung u. der Hauttrophik
(= Ernährungs-/Wachstumszustand der Haut).
Die Schmerzausbreitung ist unabhängig vom Innervationsgebiet
(= Versorgungsgebiet eines Ner ven),
erfolgt evtl. auch auf die gegenseitige Gliedmaße (Alloparalg
ie). Im
chronifizierten Stadium sind wiederholte Blockaden
(= Betäubungen)
des betroffenen Nervs mit einem langwirkenden Betäubungsmittel hilfreich,
optimal sind kontinuierliche Blockaden mit Katheter
(= eingepflanztem dünnen Kunststoffschlauch).
Letztgenannte Maßnahme sollte aber nur stationär (Schmerzklinik) durchgeführt
werden.
ad3:
Metabolische (=
stoffwechselbedingte) Störungen
oder Schädigungen können ebenfalls einen
Nervenschmerz
bzw. Neuropathien verursachen.
In der Praxis dominieren mit je einem Drittel der Fälle die
alkohol ische
und die diabet ische
Genese
(= Entstehung) (Neundörfer
1988).
In unklaren Fällen ist vor allem an exotoxische
(= von außen zugeführte Gifte betreffend)
Ursachen durch Medikamente (Vinca-Alkaloide, Nitrofurantoin u.a.m.) sowie
Gewerbegifte zu denken, daneben kommen endotoxische
(= Gifte die im Körper selbst entstehen)
(Porphyrie, Urämie) und evtl. infekt iöse
Ursachen (Borreliose,
Ehrlichiose
nach Zeckenbiß) in Frage.
Die Patienten klagen über brennende
Dauerschmerz
en
im
Versorgungsgebiet peripherer (= mehr
oberflächlicher) Ner ven,
Paräst hesien
(= Fehlempfindungen),
Hyperästhesien und
Hyperpathien (=
gesteigerte Berührungsempfindlichkeiten),
Druckschmerzhaftigkeit von Ner ven
und Mus keln sowie evtl. über motorische
(= die Muskelfunktion betreffende)
Reizerscheinungen (Cram pi) (Gerstenbrand et Rumpl 1988).
Charakteristisch sind socken- bzw. handschuhförmige Sensibilitätsstörungen
(= Störungen der Empfindlichkeit).
Die
Behandlung dieser Neuropathien (alkoholische,
metabolische
bzw. diabetische oder toxische)
erfolgt in erster Linie kausal, also der
Ursache entsprechend: bei Diabetes mellitus Optimierung der Zuckereinstellung,
bei alkoholische n oder
toxische n
Neuropathien
Verzicht auf „Nervengifte“ wie z.B. Alkohol.
Symptomatische (= auf die
Krankheitszeichen ausgerichtete)
Therapie:
Thioctsäure (alpha-Liponsäure) führt bei diabetische n Neuropathien zu einer Reaktivierung
des Multienzymkomplexes und möglicherweise zur Bindung diabetische r
Ketone.
Das Antidepressivum Duloxetin (Cymbalta®),
ein Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer, ist auch zur
Schmerztherapie bei d
iabetische n
Neuropathien
zugelassen worden.
Neurotrope Vitamine (=
„Nervenvitamine“): Die mehr oder
weniger hochdosierte Verabreichung neurotroper Vitamine ist bei
Neuropathien
allgemein üblich. Leider führt diese Therapiemaßnahme in den wenigsten Fällen zu
einer Verbesserung.
Analgetika (= Schmerzmittel):
Neuropathien sind in der Regel durch Schmerzmittel
nur schwerlich günstig zu beeinflussen. Am ehesten ist noch ein Effekt von
zentral wirksamen Analgetika (=
Schmerzmittel die im Rückenmark / Gehirn wirken)
zu erwarten. Aus diesem Grunde ist es nicht möglich, ein sicher wirksames
Medikament zu empfehlen.
Ein neuropathischer Schmerz (=
Nervenschmerz
spricht eher auf sog. Antikonvulsiva (= Mittel gegen die
Fallsucht aber auch bei Neuropathien wirksam)
an. Als erste Wahl gelten heute Gabapentin (Neurontin®) oder Pregabalin (Lyrica®), als 2. Wahl Carbamazepin (z.B.
Tegretal®).
Eine Kombination aus Metamizol (z.B. Novalgin®) und
Chinin soll relativ zuverlässig schmerzlindernd sein. Ein Gemisch aus Uridin-
und Dinatriumsalze (Keltican®) kann versucht werden.
Wiederholte Nervenblockaden: Die wiederholte Blockierung (Betäubung) der korrespondierenden Nervenleitungen mit einem langwirkenden örtlichen Betäubungsmittel (z.B. Bupivacain) hat sich bei allen Neuropathien (alkoholische, degenerative, metabolische bzw. diabetische, infektiöse, ischämische oder toxische) sehr bewährt. Dabei kommt es neben der (erwünschten) Hemmung der Schmerzreizleitung gleichzeitig zu einer Blockade vegetativer (sympathischer) Faseranteile, woraus eine sehr deutliche Mehrdurchblutung im korrespondierenden Gewebebereich resultiert, die jedem entzündlich/degenerativen Prozeß nachhaltig entgegenwirkt. In diesem Sinne ist diese Behandlung z.B. bei Neuropathien nicht nur symptomatisch, sondern auch kurativ (= auf die Ursache ausgerichtet).
ad4:
Eine Nervenschädigung oder -störung infolge einer Virusinfektion liegt
bei der sog. postzosterischen
Neuralg ie (Zoster-Neuralgie) vor.
Vorausgegangen ist die
Herpes zoster
-Erkrankung, eine neurodermale
(= Ner ven
und Haut betreffende)
infektiöse Erkrankung. Der Erreger ist der Her pes-Varizellen-Virus.
Der Name Zos ter kommt aus dem Griechischen und bedeutet „Gürtel“ entsprechend der
gürtelförmigen Hautausbreitung am Körperstamm. Aus diesem Grund wird die
Krankheit auch als Gürtelrose
bezeichnet.
Der Herpes zoster befällt
überwiegend die Nervensegmente der unteren Brustwir belsäule, seltener den
Gesichts- bzw. Kopfbereich (Zoster
ophthalmicus,
Zoster oticus).
Die Her pes zos
ter -Erkrankung
beginnt mit brennenden, juckenden
Nervenschmerzen im Bereich
der befallenen Nervensegmente und geht mit Sensibilitätsstörungen einher. Schon
die Berüh rung
der Haut im befallenen Bereich verursacht starke Schmerzen
(eine sog. Allodynie). Einige Tage später bilden sich Hauterscheinungen wie rote
Flecken, Pusteln und Papeln aus. Diese sog. Effloreszenzen heilen in der Regel
nach 2 - 4 Wochen ab und normalerweise verschwinden dann auch die Schmerzen
wieder.
Wenn der Ner venschmerz die Hauterscheinungen des
Herpes zoster
überdauert, meistens nach 4-6 Wochen, dann ist die Krankheit in eine
Zoster-Neuralgie ((postzosterische Neuralgie
(PZN)) übergegangen.
Der Schmerzcharakter wird von den Patienten
uneinheitlich beschrieben: anhaltend tief drückend oder brennend, blitzartig
einschießend, stechend und brennend. Teilweise liegt auch eine Allod ynie
(= Schmerzauslösung durch an sich nicht
schmerzhafte Reize, z.B. Kleidung)
vor.
Die Behandlung ist schwierig und sollte deshalb dem erfahrenen Schmerztherapeuten überlassen werden. Dauerschmerzen, auch als Folge von Neuropathien (alkoholische, degenerative, metabolische bzw. diabetische, infektiöse, ischämische oder toxische), erfordern praktisch immer eine Kombination von verschiedenen Therapieverfahren. Bei Neuropathien sind dies:
Medikamentöse Behandlung (u.a. Analgetika, schmerzlindernde Psychopharmaka, auch als Infusionen, individuell ausgetestet)
Therapeutische Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel) in Form von Infiltrationen und Nervenblockaden, evtl. rückenmarknahe Blockaden, auch kontinuierlich mit Katheter
ad5:
Eine Nervendurchtrennung z.B. im Rahmen einer
Amputation
(durch Operation
oder Unfall) kann zu
Phantomschmerzen
(= Schmerzempfindung in einem Körperteil, der gar nicht mehr vorhanden ist)
führen. Diese Schmerzen treten meist unmittelbar nach der Amputat ion auf.
Wir sehen jedoch immer wieder Fälle, bei denen sich Phan
tomschmerzen erst nach
Jahren, in Ausnahmefällen sogar erst nach Jahrzehnten, einstellten.
Die Angaben
zu Schmerzperiodizität und Schmerzqualität lassen kein einheitliches Muster
erkennen. Bei der Abfrage der Schmerzqualität dominieren Begriffe wie
"brennend", "schneidend" und "wie eingeklemmt". Überwiegend wird ein
attackenförmiger Schmerzverlauf angegeben, wobei die
Schmerzattacken minuten- bis
tagelang dauern können. Bei fast allen Patienten mit einem
Phantomschmerz liegt eine
klimatische Schmerzmodulation (=
Änderung des Schmerzzustandes) vor.
Bei Amputationen im Bereich der
Be ine stellen sich in der Regel später auch
behandlungsbedürftige Beschwerden an kontralateralen
(= gegenüberliegenden)
Gelen ken und an der
Wir belsäule ein, bedingt durch unphysiologische (= unnatürliche)
Dauerbelastungen.
Besonders bei anfallsartigen, einschießenden Schmerzen sollten
zur Behandlung Antikonvulsiva (z.B. Carbamazepin, Gabapentin oder
Pregabalin)
(= Mittel gegen das Anfallsleiden, aber auch bei
Neuropathien wirksam)
versucht werden. Hin und wieder ist auch ein Therapieversuch mit Baclofen
(z.B. Lioresal®) (= Mittel zur Muskelentspannung)
erfolgreich.
Unterstützend (selten als einzige Therapie ausreichend) haben sich
Antidepressiva
(= Mittel gegen Depressionen, aber auch bei
Nervenschmerzen hilfreich)
zur Schmerzdistanzierung
sehr bewährt. Wir bevorzugen Maprotilin (z.B. Ludiomil®) und Doxepin
(z.B. Aponal®).
Oftmals ist die
therapeutische
Lokalanästhesie
(=
Behandlung mit einem örtlichen
Betäubungsmittel)
in Form von häufig
wiederholten Ner ven- und Leitungsbetäubungen sehr hilfreich.
ad6:
Zen trale
(= das Rückenmark / Gehirn betreffende)
Störungen oder Schädigungen sind Ursache für
Neuropathien
bzw. Schmerzen nach einer
Querschnittslähmung und für den sog.
Thalamusschmerz: Über den
Mechanismus der Schmerzentstehung nach einer
Querschnittlähmung ist
wenig bekannt. Nach Thoden (1987) klagen 50% aller Patienten mit
verletzungsbedingten Querschnittsläsion
en über störende Mißempfindungen
unterhalb der Verletzungsstelle. Immerhin 27% leiden unter
Nervenschmerzen,
vorwiegend im Bereich der Be ine.
Teilweise tritt auch ein krampfartiger,
viszeraler Schmerz (= die
Eingewei de
betreffender Schme
rz)
im Bauchra um
auf. Auch vom Verletzungssegment selbst können
Schmerzen ausgehen, die oft auf eine Instabilität zurückzuführen sind. Diese
Instabilität kann chirurgisch behoben werden.
Der Schmerzzustand nach einem
kompletten Querschnitt wird auch als
Deafferenzierungsschmerz
bezeichnet.
Zur
Behandlung von Neuropathien bei einer
Paraplegie
(= Lähmung der B eine) kann die
kontinuierliche peridurale (= rückenmarknahe)
Blockade
mit Katheter (= dünner
Kunststoffschlauch) hilfreich sein.
Die Einpflanzung des Katheters muß jedoch oberhalb des geschädigten Segments
erfolgen.
Bei Tetrapleg ie (= Lähmung
der B eine
und Ar me) bedarf die
kontinuierliche Periduralblockade oberhalb des geschädigten Segments wegen des
erhöhten Risikos einer strengen Indikationsstellung
(= Abwägung von Nutzen und Risiko).
Medikamentös können Carbamazepin,
Gabapentin oder Pregabalin (=
Mittel gegen die Fallsucht, aber auch bei Neuropathien wirksam),
Baclofen und schmerzdistanzierende Antidepressiva sowie
Neuroleptika
(= Mittel das auf die Psyche wirkt)
versucht werden.
Gegen die unangenehme Spastik wirkt am besten Baclofen (z.B.
Lioresal®). Falls bei oraler (=
Tabletten-) Gabe die Nebenwirkungen
zu stark werden, kann die rückenmarknahe Verabreichung mittels eingepflanzter
Pumpe (oder Port) in Erwägung gezogen werden. Mittel der 2. Wahl ist Sirdalud.
Bei
Thalamusschmerzen handelt es sich um ein sog.
zentrales Schmerzsyndrom
(= das Gehirn betreffendes
Schmerzsyndrom), ausgelöst durch Störungen oder Schädigungen in schmerzkontrollierenden Arealen des zentralen Nervensystems (Thalamus).
Hauptursache ist ein Schlaganfall (apoplektischer-Insult). Die
betroffenen Patienten klagen in der Regel über heftige Schmerzen in der
herdgekreuzten Körperhälfte (Hemialgesie).
Der vorzugsweise brennende Dauerschmerz
kann sich attackenartig verstärken. Teilweise liegt eine
Allodynie (= Schmerzauslösung durch an
sich nicht schmerzhafte Reize) vor.
Fast regelmäßig besteht eine
Hyperpathie
(= verzögerte Reizantwort, der Schmerz hält über
Reizzeit hinaus an bei insgesamt erhöhter Reizschwelle).
Bei der neurologischen Untersuchung
findet sich eine
Hemiparese (= Halbseitenlähmung) mit
meist guter Rückbildungstendenz. Motorische (= die
Muskelkraft betreffende) Störungen (Chorea (= sog.
Veitstanz), Athetose (= Haltungs-, Tonus- u. Bewegungsstörung)) kommen vor,
ebenso die sogenannte Tha lamushand nach Pöck (die Finger sind im
Grundgelenk gebeugt und in den Interphalangealgelenken (=
Mittelgelenken) überstreckt, sie zeigen eine Bewegungsunruhe; die
Fehlstellung gleicht sich beim Auflegen der Han d auf eine feste Unterlage aus)
und eine meist gering ausgeprägte Ataxie (= funktionelle
Störung der Bewegungsabläufe).
Der Nachweis der diesen
Neuropathien zugrunde liegenden
Störung oder Schädigung ist durch Computertomographie, Angiographie
(= Gefäßdarstellung mit Röntgenstrahlen)
und Kernspintomographie möglich.
Die Behandlung dieser Neuropathien
ist selbst für den
erfahrenen Schmerztherapeuten eine große Herausforderung.
Medikamentös kann
Carbamazepin (z.B. Tegretal®) (= ein
Mittel gegen die Fallsucht, aber auch bei Neuropathien wirksam)
in aufsteigender Dosierung bis zu 1500mg /Tag versucht werden (Swerdlow
1984). Gabapentin (Neurontin®) oder Pregabalin (Lyrica®)
wirken oft besser, sind aber auch deutlich teurer. Phenytoin (z.B. Epanutin®) soll ebenfalls schmerzlindernd sein (Cantor
1972). Teilweise sahen wir auch mit Baclofen (z.B. Lioresal®)
(= ein im Rückenmark / Gehirn wirkendes Mittel zur Muskelentspannung)
eine günstige Wirkung. Ansonsten bleibt oft nur die Verschreibung von
Opiaten.
Teilweise können aber mit der therapeutischen
Lokalanästhesie
(=
Behandlung mit einem örtlichen
Betäubungsmittel)
gerade bei Neuropathien
beachtliche Erfolge erzielt werden. Nach Austestung mittels diagnostischer
Blockaden (Betäubungen) werden im Extrem itätenbereich
(= Ar me und
B eine)
wiederholte Plex us brach ialis-, N. femoral is-
und/oder Ischiad ikusblockaden
durchgeführt, oft sind sie längerfristig nur in der
kontinuierlichen Form mit
Katheter (= eingepflanztem dünnem Kunststoffschlauch)
erfolgreich.
Bei Mitbeteiligung des Gesichtes kommen wiederholte Blockaden der
betroffenen Trigeminusäste in Frage.
Angesichts eines "zentralen Schmerzes"
(= Schmerz, der im Rückenmark / Gehirn
entsteht) erscheint die Durchführung
von Nervenblockade
n zugegebenermaßen paradox. Wir haben jedoch festgestellt, daß
bei ca. 40-50% der betroffenen Patienten diese Therapie tatsächlich anspricht
und zu einer Schmerzlinderung führt. Möglicherweise wird durch die zen trale
Läsion (= Störung/Schädigung)
teilweise ein peripheres (= mehr
oberflächliches) Schmerzsyndrom
herbeigeführt, vielleicht indem neurobiologische Mechanismen der Perzeption
(= Empfindung,Wahrnehmung) durch das
efferente sympathische System (=
weggeleitete Erregungen im unwillkürlichen Nervensystem)
mehr oder weniger ausgeprägt aktiviert werden. Für eine Beteiligung des
sympathischen Systems sprechen auch die Berichte von Loh et al. (1980)
und Nathan (1980), wonach Schmerzen in Ar me und Be ine nach einer
Störung/Schädigung des Zentralnervensystems
(= Rückenmark und Gehirn)
durch Sympathikusblockaden beseitigt oder gelindert werden können. Da die
Nervenstämme ((besonders Plex us brach ialis (= Nervengeflecht des Armes)) auch
vegetative, sympathische Fasern mit sich führen, kann eine solche Wirkung
postuliert werden.
Degenerative Neuropathien spielt in der Schmerztherapie eine untergeordnete Rolle. Dazu gehören u.a. Erbkrankheiten, im weitesten Sinne aber z.B. auch die Alzheimer Erkrankung.
Wenn Schmerzen aufgrund von Neuropathien (alkoholische, degenerative, metabolische bzw. diabetische, infektiöse, ischämische oder toxische) längerfristig bestehen, so ist davon auszugehen, daß bereits ein Chronifizierungsgrad II oder III (Mainzer Stadieneinteilung) vorliegt. In diesen Fällen ist eine rein somatische (= körperliche) Behandlung kaum mehr ausreichend, sondern es müssen zusätzlich psychologisch /psychotherapeutische Interventionen erfolgen.
Aktualisiert: k 22.11.05
A
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B
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Wirbelversteifung (www.wirbelversteifung.de),
Wurzelentzündung,
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Z
Zahnschmerzen,
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